Im Unterricht erlebe ich häufig, dass Fortschritte nicht so gründlich oder so schnell sind, wie man es vielleicht erwarten würde. Oft stellt sich dann die Frage: Woran könnte das liegen?
Es gibt sicher mehrere Gründe, und als Lehrerin bin ich stets bemüht, den bestmöglichen Weg zu finden, auf dem Verständnis ermöglicht und langfristige Kenntnisse aufgebaut werden können.
Es gibt jedoch einen Lernansatz, bei dem ich immer wieder ein Gefühl der Ausweglosigkeit verspüre.
Viele Lernende versuchen, ihre Angst vor der Sprache oder vor dem Scheitern des Lernprozesses mithilfe eines Online-Übersetzers zu vermeiden. Kein Hindernis ist größer als dieses.
Ein Online-Übersetzer ist ohne Frage nützlich, wenn wir einzelne Vokabeln oder Ausdrücke nachschlagen. In solchen Fällen ziehe ich jedoch das Wörterbuch vor, da es die Genauigkeit der Bedeutung besser sichern kann.
Wenn aber ganze Absätze oder Texte vom Übersetzungsprogramm übernommen werden, wird das eigenständige Vorankommen in einer Fremdsprache deutlich behindert.
Stattdessen wäre es wichtig, den eigenen Wortschatz und die eigene Kenntnis des Satzbaus anzuwenden – auch wenn dieser Weg zunächst zu fehlerhaften Ergebnissen führt. Der eigene Versuch ist nicht nur deshalb entscheidend, weil der Übersetzer Formulierungen liefert, die wir weder kennen noch ableiten können, sondern auch, weil er uns den für das Lernen notwendigen Denkprozess entzieht.
Fehlt dieser Denkprozess, fehlt auch das Maß, das die Sprache selbst vorgibt – wir können uns ihr nicht anpassen.
In einem solchen Fall ist es nicht mehr möglich die Sprache zu annähern. Sie bleibt verschlossen, irritierend, ein bloßes Hindernis. Lernende verlieren ihr eigenes Verhältnis zur Sprache, und es wird schwer – manchmal sogar unmöglich –, diese lebendige Beziehung wieder aufzubauen.
Statt die Sicherheit des eigenen Denkweges entsteht Verwirrung durch die unterschiedlichen Formulierungen verschiedener Übersetzungsprogramme, und bereits gelernte grammatische Strukturen geraten in Vergessenheit.
Einfache Sätze bilden zu können ist keine Frage der Sprachfähigkeit, sondern eine Frage der Bereitschaft, sich der Sprache zu öffnen und ihre Logik zu verstehen suchen. Gerade deshalb sind solche ersten Sätze auch die ersten Schritte im Lernprozess. Wir lernen in einer fremden Sprache zu denken, statt sie in den Regeln unserer Muttersprache zu zwingen.
Je mehr man sich traut und je mehr Zeit man mit dem Erschließen einer Fremdsprache verbringt, desto eigener wird sie, desto selbstbewusster kann man sich in ihrer Welt bewegen.
Eine Sprache zu sprechen bedeutet, in ihr eingeübt zu sein – nicht nur Wörter aneinanderzureihen. Übung aber braucht Geduld, Hingabe und Entschlossenheit. Ohne diese bleibt nur der Übersetzer – und die Angst vor einer Sprache, die einem immer fremd geblieben ist.
Deshalb lohnt es sich vielleicht, beim Lernen innezuhalten und sich zu fragen:
Schreibe ich diesen Satz, um ihn zu verstehen – oder übersetze ich ihn, um ihn zu vermeiden?
Die Antwort kann helfen, die eigene Haltung besser zu verstehen und – wenn nötig – neue Wege, vielleicht den ersten, eigentlichen Weg, einzuschlagen.
Falls Sie sich auch dafür interessieren, wie oft man Sprachunterricht nehmen sollte, finden Sie hier meinen Beitrag dazu.
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